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WM-2022-Umfrage: Vorfreude oder TV-Boykott – Schalten Sie zur Winter-WM in Katar ein?

Korruption bei der Vergabe, Tote auf den Baustellen, Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland – am Sonntag beginnt die Fußball-WM 2022 in Qatar. Darf man sich als Fan auf dieses Turnier freuen? Oder sollte man die vielen Vergehen im Vorfeld mit einem Einschalt-Boykott abstrafen? Hinsehen oder wegschauen? – Wir haben bei Fußballern, Fußball-Funktionären, aber auch bei Vertretern anderer Sportarten in der Area nachgefragt.

Thorsten Bergin, Coach FSV Einheit Ueckermünde (Verbandsliga)

„In der Regel freust du dich als Fußballverrückter immer, wenn Fußball im TV läuft. Aber: Die Begleitumstände dieser WM sind für mich nicht tragbar – man nehme nur mal diese homophobe Aussage des katarischen Botschafters. Ich arbeite in einer Behindertenwerkstatt und habe dort jeden Tag mit Menschen zu tun, die am Rande der Gesellschaft stehen. Der Integrationsgedanke steht für mich an erster Stelle. Daher fällt es mir schwer, ein Turnier in diesem Land gutzuheißen.

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Zudem sind wir als Verbandsligist noch voll im Spielbetrieb – ich weiß additionally gar nicht, wann ich die Spiele gucken soll? Am Dienstag werden wir unser Coaching verschieben, weil Pollen spielt. Das will ich den Jungs nicht wegnehmen. Aber Euphorie kommt bei uns in der Kabine gar nicht auf. Normalerweise lese ich in den Wochen vor einer WM unzählige Vorberichte – wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich diesmal nicht mal, wer überhaupt teilnimmt.”

Frank-Peter Dwars, Vorsitzender SV Traktor Sarow (Kreisoberliga Seenplatte)

„Korruption ist nichts Neues bei der Vergabe einer Weltmeisterschaft, wir Deutschen haben die WM 2006 doch wohl auch auf diesem Wege bekommen. Was Menschenrechte und Co. betrifft, waren die Austragungsländer der letzten drei Weltmeisterschaften auch sehr umstritten – geschaut haben wir trotzdem. Heuchlerei, Doppelmoral – beides hat Deutschland in Betrachtung der WM derzeit viel zu bieten.

Von Fußballern, Trainern und Funktionären werden Zeichen erwartet, aber hätten zum Beispiel die ARD und das ZDF nicht auch ein Zeichen setzen können, indem sie die Übertragungsrechte zurückgeben? Der „kleine Mann” soll boykottieren, die Großen machen die Geschäfte mit Katar, das passt irgendwie nicht zusammen. Vielleicht hilft genauer hinschauen in diesem Fall ja mehr, als wegschauen oder boykottieren.”

Udo Blum, Vorsitzender Judoclub Vier Tore Neubrandenburg

„Mein Interesse gilt ja einer anderen Sportart, dem Judo, aber die Fußball-Weltmeisterschaft habe ich mir in der Vergangenheit doch immer angeschaut. Das wird sich diesmal allerdings auf die Spiele der deutschen Mannschaft beschränken, weil ich überhaupt nicht okay finde, was im Vorfeld in puncto Katar abgelaufen ist – allein wenn ich daran denke, dass beim Stadionbau Arbeiter zu Tode gekommen sind.”

Paul Gurni, Kapitän FC Einheit Strasburg (Kreisoberliga Vorpommern)

„Die WM-Vergabe nach Katar conflict für mich eine falsche Entscheidung. Kurios ist ja bei diesen „Winterspielen”, dass man die Partie statt im T-Shirt, diesmal bei Glühwein und im dicken Mantel verfolgen wird. Natürlich hatte ich lieber im Sommer mit Freunden bei einer Grillparty geguckt. Aber leider conflict der Einfluss von Politik und millionenschweren Finanzbossen zu stark. Gleichzeitig finde ich, dass die Followers auch bei dieser WM Spaß am runden Leder haben sollten. Als fußballbegeisterter Sportler werde ich mir alle Spiele der deutschen Elf ansehen, die ja im Free-TV übertragen werden. Bei Spielen ohne deutsche Beteilung würde ich abwägen.”

Jan Anterhaus, Sportlicher Leiter TSV Friedland (Landesliga Ost)

„Dass der Kommerz im großen Fußball längst überhandgenommen hat, zeigt sich krass an den Begleitumständen dieser WM. Unglaublich, was alles querläuft! Es geht nur noch um Kohle. Dafür sind die Fifa-Leute und der ganze Laden da oben verantwortlich – nicht wir. Darum lassen wir uns auch den Spaß an unserem Lieblingssport nicht nehmen. Wir werden öfter zusammensitzen und WM-Spiele gemeinsam angucken.”

Daniel Pankau, Coach Pasewalker FV (Landesklasse)

„Die Begleitumstände sind wirklich unschön – aber im Profifußball zählt nun mal das Geld. Wir können leider nichts daran ändern. Wenn es die Arbeit zulässt, werde ich als Fußballfan bestimmt mal einschalten – was aufgrund der merkwürdigen Anstoßzeiten jedoch wohl nur bedingt möglich sein wird. Weltmeisterschaften verbinde ich eigentlich mit Public Viewing und Grillen im Garten – das typische WM-Feeling wird in diesem Jahr wohl kaum aufkommen.”

Sven Frericks, Schiedrichter (Fußball-Landesebene)

„Die Diskussion, ob die WM 2022 in Katar stattfinden sollte oder nicht, hätte man vor zwölf Jahren führen müssen. Das Form ist längst im Brunnen. Wichtig ist, dass die Verantwortlichen Konsequenzen aus dem Ganzen ziehen. Die Nationalspieler können nichts dafür und die Fußball-Anhänger auch nichts. Ich werde mir so viele Partien wie möglich ansehen.”

Enrico Beck, Coach Torgelower FC Greif (Landesklasse)

„Ich personlich finde es moralisch verwerflich, dass unsere Politik mit Geldern um sich wirft und dann von den Leuten verlangt, die WM zu boykottieren. Wir werden anderen Ländern nicht unsere Moralvorstellungen aufdrücken können, indem wir Followers den Fernseher ausschalten. Ich freue mich auf den Sport bei einer Weltmeisterschaft, weil ich Fußballfan bin. Und unserer Mannschaft traue ich durchaus zu, ein Wörtchen um den Titel mitreden zu können.”

Heinz Dahms, Fußball-Fachmann mit viel Coach-Erfahrung

„Unsere Nationalspieler sollten in Katar Stellung beziehen, wenn sich für sie die Möglichkeit ergibt zu kritisieren, wie diese WM zustande gekommen ist und was dort im Land an Unrecht geschieht. Aber ein TV-Boykott hier zu Hause? Was sollte das bringen? Was würde man damit erreichen? Dann dürfte man auch keine Sachen aus China einführen, nicht mehr die Türkei und Afrika besuchen. Ich guck’ mir die Weltmeisterschaft an, keine Frage.”

Lea Krüger, Fußballerin SV Murchin/Rubkow (Landesklasse)

„Ha, ich verfolge die WM. Nicht jedes Spiel, aber wenn ich Zeit habe, gucke ich mal rein. Warum sollte ich mir als Endverbraucher deswegen Vorwürfe machen? Die, die an der Sache etwas ändern konnten, haben es nicht getan. Es conflict genug Zeit, die Reissleine zu ziehen. Alle wussten, was in Katar abgeht. Es ist das Letzte, jetzt Leute anzuschwärzen, die vor dem TV sitzen. Diejenigen, die sich darüber aufregen, sollten sich vielleicht mal an die eigene Nase fassen und sich zum Beispiel fragen, wie und von wem die Kleidung produziert wurde, welche sie tragen.”

Lutz Bruhn, Sportlicher Leiter 1. FC Neubrandenburg 04 (Verbandsliga)

„Sicher, wie vielen anderen gefällt auch mir die WM-Vergabe an Katar nicht. Was da alles an Negativem dranhängt, ist nicht schön. Jeder kann entscheiden, ob er nun die Sache ignoredert oder nicht. Für mich als Fußball-Fan ist es undenkbar, nicht zuzugucken, wenn unsere Mannschaft spielt. Mal sehen, wie weit sie kommt. Jetzt ist ja noch schlecht einzuschätzen, wie stark die Truppe wirklich ist.”

Dieter Breitenbach, Field-Coach SG Aufbau Altentreptow

„Ich bin sehr sportbegeistert und kann mir absolut nicht vorstellen, dass ich den Fernseher ausgeschaltet lasse, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft spielt. So etwas kann ich mir einfach nicht entgehen lassen. Was da im Umfeld der Katar-Weltmeisterschaft gelaufen ist, klar, das finde auch ich sehr kritikwürdig.”

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